Daniel Ahnen - als Bergfilmer am Arwa Spire, Himalaya

Daniel Ahnen – ein Nachruf – Delhi/ Hamburg:

Daniel Ahnen, Geschäftsführer der DFI Agency, langjähriger Kollege und Vorgesetzter, verunglückte am 11. Mai 2011 tödlich bei seiner ersten Expedition als Bergfilmer am Arwa Spire Gletscher im Himalaya.

Die Unfallursache ist bis heute ungeklärt – fest steht, er kam vom „Pfade“ ab und stürzte in eine tiefe, unübersichtliche Gletscherspalte. Seine Kollegen leiteten sofortige Rettungsmaßnahmen ein. Das indische Militär (als auch die Bergspezialisten von Air Zermatt) wurden hinzu gezogen.

Er verwirklichte seinen Lebenstraum mit seinem ersten und letzten Auftrag am Berg, indem er als Kameramann den weltbekannten Bergsteiger Roger Schäli auf einer Expedition der Firma Salewa begleitete.

Sobald ich von dem Unglück erfuhr, rief ich sofort bei Air Zermatt direkt in der Leitstelle in Zermatt an und ließ mich zu Gerold Biner (Pilot) in Kathmandu verbinden. Er konnte mir nur berichten, dass er mangels behördlicher Starterlaubnis nicht starten durfte. Das war ein Moment, der mich rasend machte. Sofortige Nachfrage bei der Deutschen Botschaft in Kathmandu blieb erfolglos (hier hatte man das Wochenende bereits eingeläutet und die Bereitschaft ging nicht an’s Tel.). Ich ließ mich mit dem Auswärtigen Amt in Berlin verbinden und wurde direkt an die Zentrale geleitet. Hier konnte man mich glücklicherweise mit einer Mobilnr. der zuständigen Konsularin in Kathmandu versehen. Diese war äußerst hilfsbereit, wenn auch nicht informiert (Anmerkung: die Zuständigkeit lag hier bei den indischen Behörden, da sich das Einsatzgebiet kurz hinter der Grenze befand und Daniel Ahnen natürlich das unwegsamste Gelände der Welt aufgesucht hatte.)

Die Konsularin versuchte das unmögliche, Freitags nach 18:00 noch Telefone in Behörden heiß laufen zu lassen. Ihr höchster Dank gilt ihr. Dennoch versuchte ich mein Glück über weitere Berliner Nummern und wurde nach Delhi weiter verwiesen. Hier reagierte man auf meine Anfrage sehr verhalten – ich war offenbar an der zuständigen Quelle angekommen. Ab sofort wurden Informationen nur noch an Familienangehörige ausgegeben, was formal völlig korrekt war, mir in dem Moment jedoch nicht weiter half.

Glücklicherweise hatte ich in Zermatt gute Beziehungen und konnte den Piloten stets erreichen. Leider war er keine Hilfe, da er immernoch fest saß und ab Kathmandu ohnehin 3 Stunden Flugzeit zum Einsatzort gehabt hätte. In der Zwischenzeit war ein Rückruf mitten in der Nacht durch die Konsularin in Kathmandu erfolgt – mit ernüchterndem Ergebnis. Sie musste ob der fehlenden Zuständigkeit resigniert aufgeben. Von hier ab hieß es warten. Die quälendsten Stunden meines Lebens bisher. Stunt um Stunt verstrich, das Wochenende nahm seinen Lauf und ich konnte den Dompfaffen von indischen Militär’s keinen Cent Glaubwürdigkeit oder Professionalität abgewinnen. Die Weltbeste Einsatztruppe (Air Zermatt) von der Rettung auszuschließen, vermutlich aus nationalem Stolz heraus, ist das niederträchtigste, was mir eine Behörde je bot. Es gibt für mich keinerlei plausible anderweitige Erklärung und das bleibt mir sowohl der Deutsche Staatsapparat als auch der indische bis heute schuldig. Wir saßen verzweifelt in der Agentur und mussten zusehen, wie unser Freund und Kollege (formal Vorgesetzter) keine ihm zustehende Hilfe bekam. Völlig unabhängig davon, ob man ihn überhaupt hätte retten können, ist allein die Tatsache, dass eine solche Behinderung stattfindet, in höchstem Maße peinlich und niederträchtig.

Das einzige, und damit wirklich einzige, dass ich mir als Trost geben konnte, war die Tatsache, dass er in seinem Lebenselement in höchsten Ehren verstorben ist. Ein Krieger, der auf dem Feld sein Leben lässt, hat für mich dann heroischen Charakter, wenn er seinen Lebenstraum gelebt und erfüllt hat.

Ausreichend Trost ist das nicht aber es muss uns irgendwie reichen, um zu akzeptieren, dass er nicht mehr unter uns weilt. Im ersten Moment erschien das geschehene noch abstrakt und fern, irgendwie surreal. Mit fortschreitender Zeit jedoch mussten wir der Gewissheit ins Angesicht schauen. Die Emotionen begleiten mich zusehends stärker und es wird lange brauchen, bis ich sie überwinden kann. Grund dafür sind seine außergewöhnlichen Eigenschaften:

Daniel Ahnen, geb. 1974, ist mit Abstand der einzige Mensch, dem ich so vertrauen konnte, wie meinen Eltern. Er stand einem durch seine pure Menschlichkeit derart nahe, dass man immer wieder zu vergessen glaubte, er sei der Vorgesetzte. So eng, wie wir mit ihm in seiner eigens aufgebauten Agentur zusammen gearbeitet haben, habe ich noch nie an anderen Projekten gesessen. Es war häufig ein Höchstmaß an Effizienz, was diese Projekte ausmachte und ihm den Erfolg bescherte. Das zweijährige Großprojekt Expo Shanghai 2010 erfüllte ihn und uns gleichermaßen aus. Es darf als sein Lebenswerk bestehen bleiben und wird mir in dieser Form stets in Erinnerung bleiben.

Ohne seine Unterstützung wäre ich nie so weit gekommen – Daniel Ahnen und  sein Vater Gerrit Ahnen sind dafür verantwortlich, dass ich nicht im Werberchaos untergegangen bin, sondern meinen Platz bekam und ihn mit Ehrgeiz in alle Richtungen ausbauen konnte. Es war die Chance meines Lebens, mit dieser Unterstützung ein Sprungbrett nach oben zu erhalten. Leider verliert dies Gold nun an Glanz und die Realität holt mich wieder ein. Für mich eine Bestätigung dessen, dass er Schranken in der Wirtschaft überwinden konnte, die sich kein anderer zutraut. Eigentlich traurig. Auch wenn andere Menschen diesen positiven Schein nun verblassen lassen und ich wieder schwer zu kämpfen habe, so behalte ich dieses Licht bei mir und trotze jedem, der es mir zu versauen droht.

Abgesehen von der DFI Agency betrieb er ein Seitenprojekt zum Bersport: Youclimb.de sehr erfolgreich. Wir werden auf seinem Erfolg aufbauen und sein Werk mit seinen engsten Freunden weiter führen – das wäre sein Wunsch gewesen.

Auch wenn sich der Staub so langsam lichtet und die Agentur zum Alltagsgeschäft zwangsläufig übergehen muss, so bleibt eine unendliche Leere zurück. Dieses Vakuum wird uns noch schwer zu schaffen machen, denn jedes Mal, wenn er in Erscheinung treten müsste, bleibt der Chefsessel leer und seine lachende Art erfüllt nicht mehr den Raum mit Heiterkeit, wenn das Arbeitstempo mal wieder hochgeschraubt werden musste…in diesen Momenten erreicht einen die Emotion mit brutaler Härte wie ein Boomerang von hinten. Es wird mir noch lange zu schaffen machen.

Auf der Trauerfeier am Dienstag erwiesen wir ihm die letzte Ehre.  All seine Projekte werden nun von seinem engsten Vertrauten und Geschäftspartner Yan An (Art Director DFI Agency), seinem Vater Gerrit Ahnen und mir in Zusammenarbeit mit seinen Freunden weiter geführt, so weit uns das möglich ist. Es ist un

Daniel Ahnen starb als Spitzensportler und Spitzenchef. Wir sind stolz auf das, was wir mit ihm erreichen durften.

Daniel, du fehlst uns sehr!

Auf bald, mein lieber.

JULIAN CERTAIN | SEO & MARKETING SPECIALIST

Online Marketing Evangelist and SEO Strategist.

Race cycling addict, and passionate brand designer.
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